Atommüll-Lager Jülich: Wer lügt hier?

• Diskussion um Jülicher Atomkugeln wird immer
grotesker
• Initiativen bitten NBG-Vorsitzenden Töpfer um Klärung

Die Diskussion um den künftigen Verbleib der Brennelement-Kugeln aus dem stillgelegten Versuchsreaktor AVR in Jülich nimmt immer groteskere Züge an:
Neben einem möglichen Transport nach Ahaus oder gar in die USA wird bekanntlich auch die Option eines Lagerneubaus in Jülich selbst verfolgt. Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) hat daran aber kein Interesse und unternimmt alles, um diese Option ad absurdum zu führen.

So wurde im Februar auf einer Sitzung des Nationalen Begleitgremiums (NBG) in Jülich durch den Sprecher der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) mitgeteilt, dass das Grundstück für diesen Lagerneubau, das schon 2012 bereitgestellt worden war, im November 2018 vom FZJ wieder zurückgezogen worden sei. Diese Auskunft wurde in den nachfolgenden Wochen und Monaten mehrfach bestätigt.

„Irgendwer lügt hier ganz gewaltig“

Und nun der Clou: In einer Antwort auf eine „Kleine Anfrage“ des Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) behauptet die Bundesregierung am 24.07.19, dass es eine solche Rücknahme nicht gebe bzw. ihr davon nichts bekannt sei. Und das, obwohl das FZJ weitgehend von der Bundesregierung finanziert und über den Aufsichtsrat gesteuert wird!

„Eine solch gravierende Entscheidung wie die Rücknahme des Grundstücks wäre ohne Kenntnis und Zustimmung der Bundesregierung nicht denkbar. Irgendwer lügt hier ganz gewaltig“, so Hartmut Liebermann von der Bürgerinitiative Kein Atommüll in Ahaus.
„Es ist unglaublich, die Öffentlichkeit wird seit Jahren von den Verantwortlichen im Forschungszentrum wie auch von den verantwortlichen Politikern an der Nase herumgeführt“, ergänzt Marita Boslar vom Aktionsbündnis Stop Westcastor in Jülich.

Die beiden Initiativen, die einhellig einen Abtransport der Jülicher Brennelemente nach Ahaus oder in die USA ablehnen und einen Verbleib am Ort in einem neu zu errichtenden erdbebensicheren Lager fordern, haben sich jetzt in dieser Angelegenheit an Prof. Dr. Klaus Töpfer gewandt.
Der ehemalige Bundesumweltminister ist Vorsitzender des Nationalen Begleitgremiums, das die Bemühungen um Findung einer Lösung für die Atommüll-Problematik kritisch begleiten soll.
Auf einer Sitzung des NBG im Februar 2019 wurde zum ersten Mal die Rücknahme des Grundstücks für einen Zwischenlagerneubau verkündet. Der Brief an Töpfer ist dieser Presseinformation beigefügt.
(PM)
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siehe auch:
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Oliver Krischer, Sylvia Kotting-Uhl, Lisa Badum, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (pdf)
und:
Brief an den Vorsitzenden des Nationalen Begleitgremiums Herrn Prof. Dr. Klaus Töpfer (pdf)
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Greta Thunberg besucht überraschend Hambacher Forst


(WDR aktuell • Am 10.08.2019 auf YouTube veröffentlicht)
Greta Thunberg hat zum ersten Mal den RWE-Braunkohletagebau Hambach und den angrenzenden Hambacher Forst besucht. Die Klimaaktivistin zeigte sich schockiert: Es sei unvorstellbar, dass so viel Natur und Landschaft zerstört würden. Außerdem warb sie für einen früheren Kohleausstieg in Deutschland. Thunberg sprach auch mit anderen Umweltaktivisten, die seit Jahren das Waldgebiet besetzen.


(WDR aktuell • Am 10.08.2019 auf YouTube veröffentlicht)
Das komplette Interview: Greta Thunberg hat zum ersten Mal den RWE-Braunkohletagebau am Hambacher Forst besucht. Dort hat die Fridays-for-Future-Initiatorin auch mit anderen Klimaschutzaktivisten gesprochen.
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siehe auch:
Greta Thunberg im Hambacher Forst:
„Dieser Wald ist so wichtig“

Die Aktivistin besucht die Waldbewohner*innen. Sie besichtigt den Tagebau, steigt in ein Baumhaus und fordert den deutschen Kohleausstieg vor 2038. . . . weiterlesen bei => www.taz.de . . . 10.08.2019
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Urananreicherungsanlage Gronau in der ARD

Die ARD hat am 5. August in der Sendung „Das Atomwaffen-Kartell: Ende der Abrüstung?“ unter anderem auch über die Gronauer Urananreicherungsanlage berichtet.

Mehr dazu unter http://mediathek.daserste.de/Reportage-Dokumentation/Das-Atomwaffen-Kartell-Ende-der-Abr%C3%BCst/Video?bcastId=799280&documentId=65594052


Symbolische Blockade der Gronauer Urananreicherungsanlage

Foto: BBU

Gut 100 Mitglieder mehrerer Friedens- und Umweltorganisationen aus NRW, aus Niedersachsen und aus den Niederlanden haben am Sonntag (4. August 2019) das Haupttor der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau symbolisch blockiert. Mit der Aktion wurde den Forderungen nach sofortiger Stilllegung der Anlage und nach dem Verbot und der Vernichtung aller Atomwaffen erheblicher Nachdruck verliehen.

Die spontane Aktion hatte sich im Rahmen einer friedenspolitischen Kundgebung entwickelt, die vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen organisiert worden war. Einen gemeinsamen Aufruf zur Teilnahme an der Kundgebung hatten rund 20 Organisationen unterschrieben, darunter auch der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), die Ärzteorganisation IPPNW und der Bundesverband der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK). Das Motto der Kundgebung lautete: „Kein atomares Wettrüsten – Urananreicherung sofort beenden – auch in Gronau“.

Zu den Anlässen der Kundgebung gehörten das Auslaufen des INF- Mittelstreckenvertrags am 2. August sowie die Jahrestage der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki am 6. beziehungsweise 9. August.

Bei der Kundgebung in Gronau sprachen unter anderem Dr. Angelika Claussen für IPPNW sowie Paula Reichert für ICAN Deutschland. Beide Organisationen haben für ihre Arbeit zum Verbot von Atomwaffen jeweils den Friedensnobelpreis erhalten. Ebenfalls zu Wort kam der politische Bundesgeschäftsführer der DFG-VK, Michael Schulze von Glaßer. Hartmut Liebermann von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ informierte über den drohenden Transport von atomwaffenfähigem Nuklear-Material von Garching nach Ahaus.

Weitere Redebeiträge hielten Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen sowie Mitglieder der japanisch-deutschen Initiative Sayonara Genpatsu aus Düsseldorf. Zudem wurden Grußworte einer Aktionsgruppe gegen Urantransporte und von der Co-Geschäftsführerin der russischen Umweltorganisation Ecodefense, Alexandra Koroleva, vorgetragen. Frau Koroleva musste aufgrund ihrer engagierten Umweltarbeit im Juni 2019 Russland verlassen und hat in Deutschland Asyl beantragt.

Weitere Informationen: www.ippnw.de, https://www.dfg-vk.de/startseite, https://www.icanw.de,
https://urgewald.org/medien/45-organizations-stand-behind-russian-ngo-ecodefense

Ankündigung:

Donnerstag, 8. August: NRW-Friedensradtour kommt nach Gronau und fährt uur Urananreicherungsanlage

Die NRW-Friedensradtour kommt am Donnerstag (8. August) nach Gronau.
Dort steht um 11 Uhr ein Gespräch im Rathaus mit dem stellvertretenden
Bürgermeister Werner Bajorath auf der Tagesordnung (Ratssaal). Danach
werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Urananreicherungsanlage von einem Mitglied des AKU Gronau über die Gefahren der Urananreicherung informiert. Anschließend fährt die Gruppe Richtung Ochtrup weiter.
Etappenziel wird am Donnerstag dann Saerbeck im Kreis Steinfurt sein. Wer sich der Tour spontan für einen Tag oder einige Kilometer anschließen möchte, ist herzlich zur Mitfahrt eingeladen. Weitere Informationen über die Tour beim AKU Gronau unter 02562-23125 sowie unter https://nrw.dfg-vk.de/startseite

Save the Date: Globaler Klimastreik am 20.09.2019 – auch in Deiner Nähe!


Aus dem Aufruf von „Fridays for Future“:

„Unser Aufruf richtet sich an jede Generation – an Kolleg*innen und Arbeitgeber*innen, an Eltern und Nachbar*innen, an Arbeiter*innen und Angestellte, an Lehrer*innen und Wissenschaftler*innen, Sportler*innen und Arbeitssuchende, Kreative und Auszubildende – an alle:
Am 20. September 2019 findet der dritte globale Klimastreik statt

Weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Parisabkommen und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden.

Während in Berlin das Klimakabinett tagt und in New York einer der wichtigsten UN Gipfel des Jahres vorbereitet wird, wollen wir den 20.09. zum größten globalen Klimastreik aller Zeiten machen.“ . . . . . . . . weiterlesen (und alle Infos) bei => Fridays for Future
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siehe auch:
Generalstreik für Klimaschutz:
Dem Ernst der Lage angemessen

Fridays for Future will mit einem Generalstreik die Politik zwingen, mehr fürs Klima zu tun. Völlig zu recht. Das Vorhaben ist richtig und nötig. . . . . weiterlesen bei => www.taz.de . . . 04.08.2019
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Auch nach EuGH-Urteil: AKW Doel läuft mit deutscher Unterstützung weiter – Bundesumweltministerin schweigt

„Exportstopp für Kernbrennstoffe jetzt umsetzen“

Anti-Atomkraft-Initiativen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) reagieren empört darauf, dass Bundesumweltministerin Schulze keine Konsequenzen zieht aus dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur unrechtmäßig erteilten Laufzeitverlängerung für die belgischen AKW Doel 1 und 2.
Gemäß der aktuellen Transportliste des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) wurden noch am 4. und am 9. Juli frische Brennelemente mit Zustimmung des Bundesumweltministeriums von der Brennelementefabrik Lingen an die beiden betroffenen Reaktoren Doel 1 und 2 geliefert.
Darauf verweist die Bundesumweltministerin in ihrer Stellungnahme vom jetzigen Montag jedoch mit keinem Wort. Noch im März hatte man hingegen die Exporte sogar offiziell verkündet.
Die Initiativen und der BBU fordern jetzt vom Bundesumweltministerium einen sofortigen Exportstopp, um weitere Brennelementlieferungen zu verhindern.

„Der Umgang von Bundesumweltministerin Schulze mit dem Thema der Brennelementlieferungen an gefährliche Reaktoren im Ausland ist mehr als fahrlässig. Warum hat das BMU das anstehende EuGH-Urteil nicht vor weiteren Lieferungen an Doel 1 und 2 abgewartet? Sind auch jetzt noch neue Lieferungen geplant, an zwei Atomkraftwerke, deren Weiterbetrieb in der jetzigen Form offensichtlich nicht mit EU-Recht vereinbar ist? Warum äußert sich die Ministerin dazu mit keinem Wort?“ fragte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

„Die Brennelementelieferungen aus Lingen sind nicht zu rechtfertigen. Mit den Exporten hält die Bundesregierung selbst älteste Atomkraftwerke gegen jede Vernunft und offensichtlich auch gegen Recht und Gesetz am Laufen. Doel 1 hatte erst letztes Jahr einen schweren Störfall, der zu einem längeren Stillstand führte. Die Zeit für einen Exportstopp für Brennelemente aus Lingen und angereichertes Uran aus Gronau ist mehr als reif,“ forderte Alexander Vent vom Lingener Bündnis AgiEL – Atomkraftgegner*innen im Emsland.

Bereits 2017 hatte ein Rechtsgutachten für das BMU bestätigt, dass ein Exportstopp für angereichertes Uran und Brennelemente rechtlich problemlos möglich ist. Daraufhin war im Koalitionsvertrag eine „Prüfung“ vereinbart worden. Positive Ergebnisse liegen dazu bis heute nicht vor.
(PM von BBU u.a.)
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siehe auch: Belgien: Laufzeitverlängerung verstößt gegen EU-Recht . . . .ausgestrahlt-Blog . . . 02.08.2019

und: Laufzeitverlängerung des belgischen AKW Doel verstößt gegen EU-Recht . . . 29. Juli 2019
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Laufzeitverlängerung des belgischen AKW Doel verstößt gegen EU-Recht

Die Reaktoren 1 und 2 im Atomkraftwerk Doel bei Antwerpen sollten bereits 2015 abgeschaltet werden. Doch dann beschloss die belgische Regierung eine Laufzeitverlängerung um zehn Jahre. Dies war rechtswidrig . . .

Siehe auch:
Pannenmeiler Doel: Längere Laufzeit für AKW verstößt gegen EU-Recht
Belgien hatte die Laufzeit für die Atommeiler Doel 1 und Doel 2 bis 2025 verlängert. Wie sich nun herausstellt, verstößt das gegen EU-Vorgaben. Sofort abschalten muss das Land die Anlagen trotzdem nicht. . . . weiterlesen bei => www.spiegel.de . . . 29.07.2019

Belgiens AKW-Laufzeitverlängerung: Ein Verstoß gegen EU-Recht
Belgien hat mit der Laufzeitverlängerung der Reaktoren Doel 1 und 2 gegen EU-Recht verstoßen. Die Prüfung der Umweltauswirkungen muss nachgeholt werden. . . . weiterlesen bei => www.taz.de . . . 29.07.2019

FAQ: Wie geht’s weiter mit den belgischen AKWs?
- Laufzeitverlängerung belgischer AKWs verstößt gegen EU-Recht
- Müssen die Atommeiler nun vom Netz?
- Fragen und Antworten zu den belgischen Atomreaktoren . . . weiterlesen bei => www1.wdr.de . . . 29.07.2019
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Und passend zum Thema ein kleiner Rückblick ins Jahr 2016:
Fukushima – Gedenken und Protest in Antwerpen
Es ging international zu:
Menschen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland kamen am 12. März 2016 in Antwerpen zu einer Fukushima-Gedenk-Demo zusammen und forderten zugleich:
Stop Doel, Stop Tihange! . . . . . .
. . . weiterlesen bei => www.antiatomeuskirchen.de . . . 13.03.2016

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Save the Date: Sonntag, 4. August 2019, Kundgebung an der UAA Gronau

Zum vergrößern (pdf) bitte Plakat anklicken!

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Ab Bhf. Gronau fährt dann um 12.45 Uhr ein Shuttle-Bus direkt zur UAA.
Um 14.45 Uhr geht es wieder zurück zum Bhf.

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Illegaler Betrieb des Garchinger Atomreaktors

Foto: pixabay.com

Illegaler Betrieb des Garchinger Atomreaktors seit 2011: BI fordert Stilllegung und Verzicht auf Transporte nach Ahaus!

Der Garchinger Atomreaktor FRM II wird seit 2011 illegal betrieben. Das ist das Ergebnis eines Rechtsgutachtens, das diese Woche (Zweite Woche im Juli) in München vorgestellt wurde. Auftraggeber sind der Bund Naturschutz in Bayern, das Umweltinstitut München, die Bürgerinitiative gegen den Atomreaktor in Garching sowie die bayerische Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.[1] Der FRM II wurde von Anfang an mit bis zu 93 Prozent hochangereichertem und damit waffenfähigem Uran betrieben. In der Betriebsgenehmigung  von 2003 wurde aber eindeutig festgelegt, dass der Reaktor spätestens bis Ende 2010 umgerüstet werden muss auf eine geringere Anreicherung von wenigstens unter 50 Prozent. Diese Auflage wurde nicht eingehalten, ebenso die Zusage, dies wenigstens bis Ende 2018 nachzuholen. Die Betreiber stützten sich dabei auf eine politische Vereinbarung zwischen TU München und dem Bundesforschungsministerium. Eine solche Vereinbarung hat aber keine juristische Qualität. Die Genehmigungsbehörde, die in diese Vereinbarung überhaupt nicht eingebunden war, hätte die Anlage stilllegen müssen, da ein wesentlicher Bestandteil der Betriebsgenehmigung nicht erfüllt wurde oder nicht erfüllt werden konnte.Die Auftraggeber des Gutachtens fordern daher jetzt die umgehende Stilllegung des FRM II.

Der FRM II wurde von Anfang an mit bis zu 93 Prozent hochangereichertem und damit waffenfähigem Uran betrieben. In der Betriebsgenehmigung  von 2003 wurde aber eindeutig festgelegt, dass der Reaktor spätestens bis Ende 2010 umgerüstet werden muss auf eine geringere Anreicherung von wenigstens unter 50 Prozent. Diese Auflage wurde nicht eingehalten, ebenso die Zusage, dies wenigstens bis Ende 2018 nachzuholen. Die Betreiber stützten sich dabei auf eine politische Vereinbarung zwischen TU München und dem Bundesforschungsministerium. Eine solche Vereinbarung hat aber keine juristische Qualität. Die Genehmigungsbehörde, die in diese Vereinbarung überhaupt nicht eingebunden war, hätte die Anlage stilllegen müssen, da ein wesentlicher Bestandteil der Betriebsgenehmigung nicht erfüllt wurde oder nicht erfüllt werden konnte.Die Auftraggeber des Gutachtens fordern daher jetzt die umgehende Stilllegung des FRM II.

Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ schließt sich dieser Forderung uneingeschränkt an. Sie hat den bayrischen Umweltminister Glauber bereits in einem Schreiben vom 28. November 2018 darauf hingewiesen, dass dem FRM II die Betriebsgenehmigung spätestens Ende 2018 entzogen werden müsste. Gleichzeitig hat sie den  Minister dringend aufgefordert, die Pläne für die Verbringung des Garchinger Atommülls nach Ahaus zu stoppen: „Die ausgedienten Brennelemente des FRM II weisen bei Ihrer Entnahme aus dem Reaktor immer noch einen Anreicherungsgrad von 87 Prozent auf, sind damit waffenfähig und stellen ein Proliferationsrisiko dar. Das Zwischenlager Ahaus ist aber konzipiert als Lager für Abfälle aus dem zivilen Bereich und hat nicht den Standard für die Lagerung von Waffenmaterial“, so BI-Sprecher Hartmut Liebermann. Auf das Schreiben hat die BI bis heute keine Antwort erhalten.

„Das neue Gutachten macht nunmehr deutlich, dass die Benennung des Zwischenlagers Ahaus als Entsorgungsnachweis für die FRM II-Brennelemente in der Genehmigung von 2003 auch juristisch keinen Bestand mehr haben dürfte, da die der Genehmigung zugrunde liegenden Voraussetzungen nicht erfüllt worden sind.“ (PM 12. Juli 2019: BI „Kein Atommüll in Ahaus“ )


[1] Dr.Cornelia Ziehm, Rechtliche Konsequenzen der Nichteinhaltung der Maßgabe der 3. Teilgenehmigung des FRM II zur Umrüstung auf Brennstoff mit abgesenktem Uran-235-Anreicherungsgrad,  Berlin 2019, http://www.umweltinstitut.org/fileadmin/Mediapool/Downloads/01_Themen/01_Radioaktivitaet/Garching-Kampagne/Ziehm_Rechtsgutachten_FRMII_final.pdf

Länderstreit: Politische Einflussnahme auf Atommüll-Standortsuche

• Auswahlkriterien werden wissenschaftlichem Anspruch nicht gerecht
• Atommüll-Produktion läuft ungestört weiter

Zum Atommüll-Streit zwischen Niedersachsen und Bayern erklärt Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:

„Der gesellschaftliche Konsens zum Verfahren der Standortsuche hat nie existiert, auch wenn die Bundesregierung das immer wieder behauptet. Dies zeigt sich am Verhalten der Landesregierungen.
Neben Bayern und Sachsen haben sich bereits weitere Länder kritisch zum Verfahren geäußert. Keiner scheint dem Suchverfahren zu vertrauen. Alle versuchen durch politische Vorstöße Einfluss zu nehmen.

Schon bei der Festlegung der geologischen Auswahlkriterien in der Atommüll-Kommission zwischen 2014 und 2016 haben sich die Bundesländer intensiv politisch eingemischt. So sind vage Kriterien entstanden, die einem wissenschaftlichen Anspruch nicht gerecht werden.

Ein kurioser Nebenaspekt beim Streit um die Atommüll-Lagerung: Sowohl in Niedersachsen als auch in Bayern laufen noch Atomkraftwerke und erzeugen tagtäglich weitere hochradioaktive Abfälle.
Gut wäre, wenn sich die Ministerpräsidenten für ein schnelleres Ende der Reaktoren einsetzen würden.
Dann gibt es auch weniger Atommüll, der für eine Million Jahre gelagert werden muss.“
(PM)
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AKW Tihange-2 nach fast einem Jahr wieder angefahren

(Text von Jan Becker für .ausgestrahlt-Blog)
Auch wenn es bröckelt und rostet: Es ist immer alles „sicher“

Fast ein Jahr lang war Block 2 des AKW Tihange vom Netz, weil poröser Beton in einer Sicherheitsanlage saniert werden musste. Man habe die Lage so eingeschätzt, dass der Verfall des Betons keine Auswirkungen auf die Beschaffenheit der Anlage habe, so der Atomaufsichts-Chef Frank Hardeman im Oktober 2018. Man habe diesen Alterungseffekt „lange unterschätzt“.
Bei Untersuchungen wurden auch im Nachbarblock 3 ähnliche Probleme gefunden.
Die umfangreichen Reparaturarbeiten in Block 2 waren nun abgeschlossen, doch der Neustart wurde „für weitere nötige Tests“, so der Betreiber, vier Mal innerhalb weniger Tage verschoben.

Der Standort Tihange ist vor ein paar Jahren nach Rissbefunden im Reaktorbehälter in die Schlagzeilen gekommen.
Doch aller Kritik und Bedenken, selbst aus dem deutschen Bundesumweltministerium, zum Trotz sind aktuell alle Meiler in Belgien in Betrieb, einschließlich des Risse-Reaktors. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . weiterlesen bei => .ausgestrahlt-Blog . . . 05.07.2019
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